IT-Fachkräftemangel entsteht durch Geiz

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Das knappe Angebot an Spezialisten der IT-Branche ist zum Teil auf zu strikte Budgetvorgaben zurückzuführen.

Die IT-Branche klagt ständig über zu wenige Fachkräfte. Sie blendet dabei aus, dass durch den herrschenden Jugendwahn auch hochqualifizierte Spezialisten keine Arbeit finden, wenn sie jenseits der 50 sind, wie ein aktueller Bericht der Süddeutschen Zeitung zeigt. Einen anderen Aspekt stellt eine Studie von techconsult im Auftrag von HP vor: Zwei Drittel der IT-Abteilungen in Deutschland haben mindestens zeitweise zu wenig Personal – der Großteil (63 Prozent) der davon betroffenen Firmen und öffentlichen Einrichtungen hat diesen Mangel aber selbst herbeigeführt, indem Stellen nicht genehmigt oder gestrichen wurden. Unternehmen wollen das Problem bevorzugt durch die Beauftragung externer Dienstleister lösen – insbesondere in der IT-Administration, wo der größte IT-Fachkräftemangel herrscht.

„IT verwächst immer mehr mit dem Kerngeschäft der Firmen, und damit ändert sich die Rolle der IT-Abteilung“, sagt Peter Steensma, Business Development Manager für HPs Support-Dienstleistungen und Initiator der Studie. „Die Aufgabe der IT wird zunehmend strategisch, weniger operativ. Das wirkt sich auf die Personalpolitik aus. IT-Basisaufgaben werden intern eher runtergefahren und verstärkt nach außen gegeben.“

Nur ein Drittel der befragten IT-Manager und -Mitarbeiter gibt an, dass ihre Abteilung immer ausreichend Personal hat. Acht Prozent der IT-Abteilungen sind permanent unterbesetzt. Ein Viertel der Befragten kann zwar das Tagesgeschäft bewältigen, aber es fehlt an Personal für anspruchsvolle Aufgaben. 56 Prozent sagen, dass sie zeitweise unterbesetzt sind. Der größte IT-Fachkräftemangel herrscht laut Studie in der IT-Administration: 67 Prozent der betroffenen Firmen gaben an, dass hier Fachkräfte fehlen. Mangelware sind auch Projektmanager (49 Prozent) und Software-Entwickler (40 Prozent).

Die Auswirkungen: In 75 Prozent der befragten Organisationen werden wegen fehlendem IT-Personal Projekte verschoben oder komplett gestrichen. Außerdem leidet die Qualität der Arbeit: 38 Prozent der Befragten nannten Qualitätsmängel und höhere Fehlerquoten als Folgen des Fachkräftemangels. Überstunden (68 Prozent), hoher Krankenstand (20 Prozent) und hohe Fluktuation (16 Prozent) sind weitere Konsequenzen. Dabei gehen 85 Prozent der befragten IT-Manager und -Mitarbeiter davon aus, dass die derzeitige IT-Fachkräftesituation kein vorübergehendes Phänomen ist. 63 Prozent glauben, dass die Situation so bleiben wird und 22 Prozent schätzen sogar, dass sich die Lage weiter verschlechtert.

Klassische Vehikel der IT-Personalbeschaffung wie Anzeigen, Ausbildung, Praktika und Zusammenarbeit mit Universitäten spielen zwar nach wie vor eine wichtige Rolle – allerdings sind diese nur für die Firmen relevant, die tatsächlich offene oder neue IT-Stellen besetzen wollen, und das sind im Schnitt gerade mal 34 Prozent. Dabei gilt: Je kleiner ein Unternehmen, desto eher hat es IT-Stellen zu besetzen. 38 Prozent der Firmen unter 5.000 Mitarbeitern suchen IT-Spezialisten, aber nur 14 Prozent der Firmen über 5.000 Mitarbeitern.

63 Prozent der Befragten geben dagegen an, dass Stellen in der IT nicht genehmigt, nicht ausgeschrieben oder sogar gestrichen werden. Mit Abstand am häufigsten gilt das für den öffentlichen Dienst (88 Prozent) und für den Handel (78 Prozent). Die Lösung des Fachkräfteproblems in der IT wird dementsprechend von einem Großteil der befragten Firmen in der Beauftragung externer Dienstleister gesehen. Dabei steht die IT-Administration im Fokus (33 Prozent), gefolgt von Outsourcing (20 Prozent) und Zeitarbeit (10 Prozent).

Vor allem Anbieter von Support-Dienstleistungen dürften demnach als Folge des IT-Fachkräftemangels mit wachsender Nachfrage rechnen. Dass es hier Wachstumspotenzial gibt, zeigt schon die Tatsache, dass ein Drittel der befragten Firmen Stand heute überhaupt keine externen Dienstleister für Wartung und Betrieb ihrer IT-Infrastruktur in Anspruch nimmt. 56 Prozent haben zwar einen Wartungsvertrag, dieser deckt aber nur die Unterstützung in Problemfällen ab. Gerade einmal 13 Prozent der Firmen haben einen Supportvertrag, der auch Beratung zwecks Maximierung der IT-Verfügbarkeit umfasst.

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