Was ist ein echter Zero Client?

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Zero Clients sind ein Hype-Thema, die genaue Definition aber umstritten. ChannelBiz stellte Fragen an Wolfgang Stähle, VP International Sales von Pano Logic.

Im Umfeld von Desktop-Virtualisierung (VDI) gibt es mittlerweile eine Reihe von Herstellern so genannter Zero Clients. Jeder scheint darunter etwas anderes zu verstehen. Wie ordnet Pano Logic sich hier ein?

Der Begriff Zero Client ist bislang nicht geschützt, folglich gibt es am Markt unterschiedliche Auslegungen. Auch Anbieter, deren Endpunkt-Geräte noch über RAM, CPU oder Firmware mit minimalem Funktionsumfang verfügen, verkaufen ihre Produkte als Zero Clients. Folgt man streng der Bezeichnung, verdient aber nur solch ein Gerät dieses Etikett, welches weder  über Prozessor, lokalen Arbeitsspeicher, Festplatte oder SSD, lokale Software – auch nicht read only –, Firmware und Treiber verfügt. Pano Logic war 2008 in seiner Radikalität der erste und bislang einzige Hersteller einer Virtual Desktop-Lösung, bei der die komplette Logik und sämtliche Komponenten des Device am Arbeitsplatz-Endpunkt auf den Server verlagert werden. Viele Thin Client-Anbieter sind mittlerweile nachgezogen und haben ihre Geräte stark reduziert, die CPU von 100 % auf 5 % reduziert und dergleichen. Sobald aber jegliche CPU, RAM oder ein Betriebssystem auf dem Device verbleibt, ist wiederum Management am Arbeitsplatz notwendig. Auch bei Verwendung des PCoIP-Protokolls muss die Firmware im Endgerät regelmäßig upgedatet werden. Dies ist kein Problem an sich, stellt aber wiederum eine potenzielle Fehlerquelle dar. Deswegen hat sich Pano Logic für den radikalen Ansatz entschieden. Pano Logic ist bei der Entwicklung seiner Desktop Virtualisierungstechnologie von der einfachen Frage ausgegangen: Ist es notwendig, immer besser ausgerüstete Endgeräte mit vielen Extras zu produzieren? Oder soll gleich alles, was wichtig ist, auf den Server verlagert werden? Letztlich ist es eine Philosophie-Frage, wo man Logik der Prozesse konzentrieren möchte, die sich daher auch nicht abschließend beantworten lässt. Pano Logic hat sich klar entschieden: So viel Zentralisierung wie möglich. Aus dieser simplen Prämisse heraus entstand der Zero Client-Ansatz von Pano Logic.  

Pano Logic verwende keinen etablierten VDI-Übertragungsweg wie PCoIP, sondern setze auf ein proprietäres Display-Protokoll, wird der Ansatz vereinzelt kritisiert. Was entgegnen Sie dem?

Bei Pano Logic werden die virtuellen Desktops mit einer Verwaltungssoftware, dem Pano Manager, administriert und die Endgeräte über den „Pano direct“-Dienst versorgt. Dieser arbeitet nach dem Prinzip des Bus Level-Protokolls. Die Kommunikationslogik ist dabei fest in die Schaltkreise integriert und kaum veränderbar. Beim Bus Protokoll handelt es sich eben gerade nicht um ein Display-Protokoll. Darin kann man einen Nachteil sehen in dem Sinne, dass sich mit Bus Level-Protokollen nur Standards im Netzwerk verwalten lassen und man daran gebunden ist, dass sich Hersteller von Software oder Hardwarekomponenten (USB-Sticks) an diese halten. Eine Proprietät lässt sich aber daraus genau nicht ableiten, denn die Lösung ist durch Verwendung des Bus Level-Protokolls offen für den Einsatz auf allen gängigen VDI-Plattformen – VMware, Citrix und Microsoft. Durch ihren rudimentären Charakter garantieren Bus Level-Protokolle sogar eine noch größere Zukunftssicherheit als die Display-Protokolle PCoIP, RemoteFX, RDP und ICA, die ja ständigen Neuerungen unterworfen sind. Diese benötigen anders als Bus Level-Protokolle am Endgerät stets auch Prozessorleistung – die ja bei Pano Logic qua definitione nicht vorhanden ist. Vielmehr bindet man sich doch mit einem Thin oder so genannten Zero Client mit integriertem PCoIP-Chipsatz an eine bestimmte Übertragungstechnologie. Wenn, dann lässt sich hier eine Proprietät ausmachen.  

Die Frage nach fehlender technologischer Offenheit von Pano Logic wäre damit im Grunde beantwortet: Neue Protokolle oder Protokollergänzungen (z.B. Microsoft RemoteFX oder SPICE) kann der Pano Logic Cube nicht nutzen und veraltet damit schneller, heißt es.

Das Ziel beim Zero Client-Ansatz ist es nicht, möglichst viele Display-Protokolle zu unterstützen, wie dies manche Mitbewerber praktizieren. Wenn der Nutzer einen virtuellen Desktop auf dem Server hat, soll sich nichts am Endgerät befinden. Wo nichts ist, kann aber auch nichts veralten. Pano Logic braucht kein Protokoll, weil es ja mit dem PC Bus arbeitet.  

Ist es richtig, dass Anwender des Pano Zero Client nicht auf effiziente de-facto-Standardlösungen wie Microsoft Windows Server 2008 R2 oder Citrix XenApp zugreifen können?

Das ist korrekt, ist aber auch gar nicht unser Ziel. Ein VDI-Endgerät wie der Pano Logic Cube ist schlicht nicht für den Einsatz in Terminal Services-Umgebungen konzipiert. Der Anwender sollte sich daher zunächst überlegen, welche Technologie grundsätzlich für ihn die Geeignetere ist: Terminal Server oder virtuelle Desktops. Und erst danach entscheidet er sich für das passende Endgerät.  

Nicht jeder Hersteller setzt seine Kriterien so eng wie Pano Logic: Was spricht gegen Zero Clients mit neuester Prozessortechnologie und damit minimalem Stromverbrauch, die alle genannten Protokolle unterstützen und sogar das Arbeiten im Mainframe-Umfeld ermöglichen?

Die einzelnen Anwendungsfelder in der IT sind heute extrem zersplittert, so dass es kaum möglich ist, mit einer Lösung alles zu erschlagen. Wenn man seine Desktops mit VMware View oder Citrix XenDesktop zentralisieren will, sollten unserer Ansicht nach die dahinter liegende Software für die Administration der virtuellen Desktops sowie die Hardware am Endgerät so weit wie möglich in den Hintergrund treten. Ein schlanker Zero Client, der durch allerlei Funktionen wieder aufgemotzt wird, stellt doch nichts weiter dar als eine eierlegende Wollmilchsau – die im VDI-Umfeld einfach nicht gefragt ist. Dann besser gleich einen herkömmlichen PC nehmen oder auf Devices setzen, die für Mainframe-Einsatz konzipiert wurden.  

Wie verhält es sich mit dem Ressourcenbedarf im Backend? Wenn der Zero Client schon keine lokale Rechen- und Grafikleistung oder Softwaretools bereitstellt, um die Server zu entlasten, wie verhält es sich dann mit der serverseitigen Performance, gerade im Bereich höherer Userzahlen?

Durch Verwendung des Bus Level-Protokolls benötigt unsere Zero Client-Lösung auf dem Server keine höheren Ressourcen, im Gegensatz zu PCoIP. Dort muss man teilweise sogar zusätzliche Software installieren, damit der Server in der Lage ist, die Protokolle zu übersetzen. Die Performance von VDI-Lösungen hat im vergangenen Sommer auch das US-amerikanische IT-Beratungsunternehmen Sarrel Group untersucht und dabei die Zero Client Lösung von Pano Logic dem Thin Client eines Wettbewerbers und verschiedenen PC-Konfigurationen gegenübergestellt. Verglichen wurde die aktuelle Version des Pano Logic Zero Client mit P20 und Xenith Thin Clients sowie drei PC-Konfigurationen: Windows XP (32-bit) und Windows 7 (32-bit and 64-bit). Getestete Anwendungen waren alle Komponenten der Microsoft Office 2007 Familie, verglichen wurde außerdem die Video-Wiedergabe. Während des MS Office Benchmarking verzeichnete Pano Logic die niedrigste durchschnittliche CPU-Auslastung und die niedrigsten Speicherverbrauch unter allen getesteten Komponenten. Bei der Real-time-Übertragung von Full-Motion Videos im Full-Screen-Modus bot unsere Lösung eine Audio-und Video-Synchronisation analog zum Windows 7 PCs und verbrauchte während des Performance-Tests die geringsten Server-Ressourcen.

Wo sehen Sie die Vorteile von Zero Clients für den Fachhandel?

Wer als Reseller im Bereich VDI tätig ist, setzt mit Zero Clients ganz klar auf die kommende Technologie und verleiht sich gegenüber seinen Kunden auch einen innovativen Anstrich. Pano Logic arbeitet im Bereich DACH mit Avnet als Generaldistributor zusammen und kann dem Fachhandel attraktive Margenstrukturen mit deutlich über 10 % anbieten. Wir verfügen mit unserer All-in-One Hard- und Softwarelösung auch über eine gewisse Spannbreite: Während die Hardwarekosten mehr oder weniger fix sind, haben wir bei den Softwarekomponenten größeren Spielraum, den wir an den Channel weitergeben. Mit dieser Kombination aus innovativer Technik und attraktiven Margen wollen wir es dem Fachhandel erleichtern, Zero-Client-Technologie bei ihren Kunden zu platzieren. Dabei unterstützen wir die Händler mit einem Vertriebsnetz auf mehreren Ebenen. Im April erst haben wir ein neues Partnerprogramm vorgestellt, welches unter anderem Programme zur Generierung von Verkaufskontakten, technisches Training und Zertifizierung sowie ein neues Partnerportal für den umfassenden Zugriff auf Informationen und Support beinhaltet.  

Welche Projekte sind derzeit besonders gefragt?

Bisher haben wir Projekte vor allem in den Bereichen Gesundheitswesen, Öffentlicher Sektor, Fertigung, Schulungen/Education und im Finanzdienstleistungssektor realisiert. Seit kurzem haben wir auch in der Energiewirtschaft einige erfolgreiche Testinstallation laufen, dieser Bereich ist also stark im Kommen.  

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