»Steigende Energiekosten zwingen zum Umdenken«

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Vom einstigen Schimpfwort zum Hype-Thema: Grün liegt im Trend. Zeit zum Nachfragen: Ist »Green IT« nur eine Geldmaschine oder steckt mehr dahinter? Channel Insider sprach mit Albert Esser, Vice President of Power and Infrastructure Solutions bei Dell.

Die IT-Branche hat die Ökologie entdeckt, Ihr Unternehmen hat erklärt, das umweltfreundlichste Technologie-Unternehmen der Welt werden zu wollen. Was unterscheidet Dell in dieser Hinsicht von anderen? Und wie weit sind Sie von Ihrem Ziel noch entfernt?

Dell hat dieses Thema sehr früh aufgegriffen – insofern verstehen wir uns als ein Wegbereiter von Green-IT. Wir haben beispielsweise schon vor einiger Zeit begonnen, unseren eigenen Energieverbrauch zu reduzieren und den Rest aus umweltverträglichen Quellen zu speisen. Mit dem Ergebnis, dass wir bereits seit August “Carbon neutral” sind.

Wir bieten heute ganze Produktlinien an, die auf Energiesparen ausgerichtet sind. Seit 2005 konnten Anwender von Desktop-Systemen durch die Power-Management-Features schätzungsweise 24 Millionen Tonnen CO2 einsparen; die aktuellen Latitude-Notebooks verbrauchen etwa 70 Prozent weniger Energie als die entsprechenden Vorgängermodelle. Mit dem Vostro Energy Smart 410 präsentierte Dell einen Desktop-PC, der bis zu 47 Prozent weniger Strom als vergleichbare Produkte anderer Hersteller verbraucht, und das ganz ohne Leistungseinbußen.

Wir gehören außerdem zu den Ersten, die das Recycling ernst genommen haben – und wir haben immer noch das umfassendste Recyclingprogramm aller Hersteller. Dell ist das einzige IT-Unternehmen, das Endkunden ein kostenloses Recycling in 57 Ländern rund um den Globus anbietet.

Alternative Energien, CO2-Neutralität – plötzlich scheint vieles möglich, was bis vor kurzem noch utopisch erschien. Ehrenwerte Motive automatisch schon unterstellt, welche konkreten Sachzwänge stecken außerdem dahinter?

Die konkreten Sachzwänge sind insbesondere die steigenden Energiekosten. Man könnte fast sagen, dass diese für die Umwelt ein Glücksfall sind. Und die Energiekosten werden weiter steigen: die Rechenzentren verbrauchen immer mehr Strom und dieser wird zugleich immer teurer. Andere Sachzwänge ergeben sich aus Vorschriften und Gesetzen, beispielsweise zum Einsatz oder Nicht-Einsatz bestimmter Materialien. Schließlich kann auch das wachsende öffentliche Bewusstsein in Umweltfragen für Unternehmen durchaus einen Motivationsfaktor darstellen.

Dell will neben einer umweltfreundlichen Produktion ja auch die Produkte selber „ergrünen“ lassen, z.B. durch LEDs bei Notebooks. Welche weiteren Entwicklungen bei der Hardware haben wir in nächster Zukunft zu erwarten?

Bitte haben sie Verständnis dafür, dass wir generell über Produkte, die noch nicht angekündigt sind, nichts sagen können. Wir haben aber erst vor kurzem neue Produkte vorgestellt, die hinsichtlich Green-IT sehr interessant sind. So der neue OptiPlex, der eine höhere Energieeffizienz aufweist und der zum Teil aus Recycling-Material besteht: 10 Prozent des dabei verwendeten Plastikmaterials stammt von Wasserflaschen, wodurch rund 20 Millionen Flaschen nicht auf der Deponie entsorgt werden. Das ist ein weiterer, sehr konkreter Schritt in Richtung Green-IT.

Inwieweit kann oder will Dell auch das umweltfreundliche Verhalten seiner Kunden, insbesondere in Unternehmen befördern?

Zum einen können die Kunden nur das kaufen, was angeboten wird – indem wir also leistungsfähige und umweltfreundliche Systeme anbieten, können sich die Kunden umweltfreundlich verhalten. Zwischen grünen und anderen Produkten darf es freilich keine (allzu) ausgeprägte Preisschere geben. Außerdem muss der Kunde natürlich umfassend informiert werden, beispielsweise über Energiesparfunktionen usw.

Darüber hinaus haben wir Sonderaktionen gestartet, die genau auf das Verhalten abzielen: mit »Plant a tree« und »Plant a forest« ermöglicht Dell – übrigens als erstes Unternehmen – seinen Kunden, CO2-Emissionen, die durch den Stromverbrauch ihrer Computersysteme verursacht werden, auszugleichen: Wenn Kunden beim Kauf eines Desktops oder Notebooks einen kleinen Betrag spenden, lässt Dell durch die Non-Profit-Organisationen »The Conservation Fund« und »Carbon-fund.org« einen Baum in umweltgerecht und nachhaltig bewirtschafteten Wäldern pflanzen.

Glauben Sie, dass „grüne Produkte“, abgesehen vom unstrittigen Energiespareffekt in der Unternehmens-IT, in naher Zukunft einen Vorteil in der Kaufentscheidung auch bei Consumern haben werden? Und mit welchen Argumenten, außer einem guten Umweltgewissen, wird man diese Produkte verkaufen können?

Green-IT ist heute schon ein Kaufkriterium – sicher nicht das einzige und oft auch nicht das wichtigste. Aber wenn der Kunde zwischen zwei gleich leistungsfähigen Systemen, die ungefähr gleichviel kosten, wählen kann, dann wird er sich immer für das »grünere« entscheiden. Die Kombination von Energiesparen und »Umweltgewissen« wird heute von sehr vielen Kunden akzeptiert.

Inwieweit können sich Händler und IT-Beratungshäuser am Trend zur »grünen IT« beteiligen? Wird es auch hierzu Initiativen von Dell geben?

Es gibt bei Dell schon seit Jahren einige Umwelt-Initiativen, die auch Händlern und IT-Beratungshäusern offen stehen. Dell-Partner können sich an vielen Stellen in unsere Initiativen zu dieser Thematik einbringen, etwa indem sie energieeffiziente Server implementieren und ihren Kunden helfen den CO2-Ausstoß zu reduzieren oder indem sie sich an Recycling-Aktionen beteiligen. Partner können sich zum Beispiel auch im Rahmen der »Data Center Optimisation Services« engagieren, hier geht es um die Außerbetriebnahme von Equipment, das nicht mehr genutzt wird, die Erneuerung von Altsystemen oder Optimierungen in den Bereichen Dämmung und Kühlung.

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