HP: Starkes Wachstum bei Service und Netzen

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Der weltgrößte Computerkonzern ist im Geschäftsjahr 2008 solide gewachsen. Das geht im Wesentlichen auf das Konto eines ausgebauten Service- und Netzwerkgeschäfts sowie eines strikten Kostenmanagements. Denn das traditionell für HP so wichtige Druckergeschäft stagniert.

EDS – Früchte der Übernahme

Als Konzernchef Mark Hurd am 24. November die Zahlen präsentierte, zeigte er sich mit dem Gewinn von Marktanteilen in allen Geschäftsbereichen zufrieden. Im Geschäftsjahr 2008 (beendet am 31.10.) stieg der Konzernumsatz um 13 Prozent auf 118,3 Milliarden Dollar. Gleichzeitig kletterte der Nettogewinn um fast 15 Prozent auf 8,3 Milliarden Dollar. Für das laufende Geschäftsjahr 2009 strebt der Konzern Umsätze zwischen 127,5 und 130 Milliarden Dollar an.

Die breite Aufstellung – HP vermarktet Dienste, Netzsysteme, Software, Server, PCs und Drucker – macht den Branchenprimus weniger krisenanfällig als reine PC-Wettbewerber. Service ist eine stetige Einnahmequelle, die Hurd seit diesem Jahr systematisch in Konkurrenz zu IBM ausbaut.

Trotz Wirtschaftskrise stieg der Umsatz im vierten Quartal um 19 Prozent auf 33,6 Milliarden Dollar. In Europa lag das Quartalswachstum sogar bei 22 Prozent. Erstmals kamen Umsätze des IT-Dienstleisters Electronic Data Systems (EDS), den HP im August erwarb, zum Tragen. Ohne EDS hätte das Umsatzwachstum nur 5 Prozent erreicht. Der Nettogewinn lag mit 2,1 Milliarden Dollar trotz der Übernahmekosten nur leicht unter Vorjahr.

HP treibt die Integration des IT-Dienstleisters, der wichtiges Branchen-Knowhow mitbringt, zügig voran. Aufgrund der EDS-Übernahme verdoppelte sich der Serviceumsatz im vierten Quartal auf 8,6 Milliarden Dollar. Dienstleistungen sind nun der zweitgrößte Geschäftsbereich von HP. Synergien sollen auch intern zu Kosteneinsparungen führen. Weltweit sind davon 25.000, in Deutschland 1400 Arbeitsplätze betroffen.

Mit ProCurve gegen Cisco

Zwar weist HP die Ergebnisse seiner Netzwerksparte ProCurve nicht separat aus, Nach Einschätzung von Marktanalysten übersteigt der Jahresumsatz mit LAN- und Wireless-Switches jedoch eine Milliarde Dollar.

Mit aggressivem Marketing hat HP dem Platzhirsch Cisco den Krieg erklärt und ist erfolgreich dabei, die Wettbewerbsdynamik der Netzwerkindustrie zu ändern. Als Nummer Zwei liegt HP mit einem Marktanteil von circa 7Prozent gemessen am Hardwareumsatz noch weit hinter Marktführer Cisco mit 77 Prozent, doch die Aufholjagd gewinnt an Fahrt. Allein im letzten Halbjahr stieg der HP Umsatz in diesem Geschäftsfeld nach Einschätzungen von Gartner um 40 Prozent.

ProCurve ist seit November Teil der Technology Solutions Group und wird von Marius Haas geleitet. Der Chefstratege zeichnete bereits für 25 Firmenübernahmen bei HP verantwortlich und war federführend bei der EDS-Übernahme. Er hat die Synergien dieser Geschäftsbereiche vor allem im Großkundenbereich im Blick. Im Oktober schloss er zudem mit der Übernahme von Colubris Networks die Produktlücke im Wireless Netzwerkbereich.

Bei Personal Systems, die 11,2 Milliarden Dollar zum Konzernumsatz im vierten Quartal beitrugen, waren HP Notebooks mit einer Umsatzplus von 21 Prozent das Zugpferd. Im Serverbereich, der 5,1 Milliarden Dollar umsetzte, gab es nur bei Speichersystemen und hier vor allem Blade Servern ein hohes Umsatzwachstum von 43P rozent. Der gesamte Enterprise Storage und Serverbereich war allerdings um 1Prozent rückläufig.

Sorgen bereiten HP auch die Drucker – das bisherige Brot-und-Butter-Geschäft. Der Umsatz lag mit 7,5 Milliarden Dollar ebenso knapp 1 Prozent unter dem Vorjahresquartal. Derzeit stagniert der Neuabsatz. Wachstum resultiert aus Bestand und Nachrüstung. HP hat bereits im August nach dem Gillette Prinzip die Preise für Tinte und Toner erhöht und will auch weiterhin an dieser Preisschraube drehen.

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