SEPA: Warten bis zur letzten Minute

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Viele Unternehmen sind auf die SEPA-Einführung schlecht vorbereitet und wollen die Umstellung so lange wie möglich hinauszögern.

Die neuen Regelungen für den europäischen Zahlungsverkehr (Single Euro Payments Area, kurz SEPA) sind ab dem 1. August dieses Jahres verpflichtend. Die Verschiebung der ursprünglich für 1. Februar geplanten Einführung scheint dringend notwendig, denn fast die Hälfte der europäischen Unternehmen (52 Prozent) kannte diesen Termin nicht einmal, so eine Umfrage von Sage Software. Nur 15 Prozent waren im Januar fähig, SEPA- Zahlungen zu bearbeiten. 87 Prozent gaben aber an, bis zum 1. Februar so weit zu sein und setzten damit auf eine Lastminute-Umstellung.

Zwar glaubte der größte Teil der europäischen Befragten (82 Prozent) zu wissen, wann SEPA eingeführt wird. Jedoch kannten weniger als zwei Drittel (63 Prozent) davon das tatsächliche Datum. In Deutschland waren die Unternehmer etwas besser informiert: 83 Prozent der hierzulande Befragten glaubten, das Datum zu kennen. Mit der Angabe „Februar“ lagen immerhin 66 Prozent richtig. Acht Prozent nahmen an, es sei noch bis März oder April Zeit für die SEPA-Umstellung. Und 20 Prozent gingen davon aus, dass der Zahlungsverkehr erst zum Mai oder Juni umgestellt werden muss. Januar nannten sieben Prozent als Starttermin. Im Vergleich: Mehr als drei Viertel (76%) der polnischen Unternehmen, die angaben, das korrekte Datum zu kennen, wussten es nicht, ebenso mehr als die Hälfte (55%) der britischen Unternehmen.

„Die Äußerungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Europäischen Kommission zeigen, dass es immer noch viele Unklarheiten gibt. Klar ist aber, dass kein Weg an SEPA vorbeiführt. Für Unternehmen ist es daher wichtig, allerspätestens jetzt die SEPA-Umstellung anzugehen“, warnt Christophe Letellier, CEO des Sage Geschäftsbereichs Mittelstand. „Sage war im letzten Jahr Vorreiter, seine Kunden über SEPA zu informieren und wir fordern unsere Kunden weiterhin dazu auf, nicht nachlässig mit ihren Vorbereitungen umzugehen, nur weil der Einführungstermin verschoben wurde. An der SEPA-Umsetzung muss weiter konzentriert gearbeitet werden.“

Die Umfrageergebnisse zeigen auch, wie schlecht die Unternehmen auf die gesetzliche Umstellung vorbereitet waren. Fast die Hälfte (49 Prozent) der befragten europäischen Unternehmen konnten Mitte Januar keinen vollständigen SEPA-Projektplan vorweisen, obwohl acht von zehn (81 Prozent) einen SEPA-Verantwortlichen haben. Nur einer von sieben (15 Prozent) hätte – trotz ursprünglicher Frist im Nacken – zum Umfragezeitpunkt Januar tatsächlich SEPA-Zahlungen abwickeln können. Dennoch waren 87 Prozent der europäischen Unternehmen optimistisch, SEPA-Zahlungen bis zum 1. Februar abwickeln zu können. Damit setzten viele auf die Umstellung in letzter Minute.

Als größte Herausforderung bei der SEPA-Einführung betrachten deutsche Unternehmen die Kundenkommunikation (52 Prozent), gefolgt von den Personalschulungen (48 Prozent) und Geschäftsunterbrechungen (47 Prozent). Letztere sind in Spanien die größte Sorge (54 Prozent) – ebenso in England (66 Prozent). Frankreich, Italien, Polen und Belgien sehen in den Personalschulungen die größte SEPA-Herausforderung.

Die Erwartungen an den neu geregelten Zahlungsverkehr gehen auseinander. Während 41 Prozent der europäischen Befragten an einfachere Bezahlvorgänge glauben, denken 33 Prozent, dass SEPA die Zahlungen komplizierter machen wird. Die Deutschen sind noch ein kleines bisschen optimistischer: 44 Prozent hierzulande erwarten eine Vereinfachung; nur 28 Prozent glauben, dass SEPA-Zahlungen komplizierter sein werden. So bewerten es auch mehr als die Hälfte (53 Prozent) der deutschen Befragten positiv, dass es einheitliche, konsistente Regelungen für den Zahlungsverkehr gibt. 41 Prozent sehen darin einen internationalen Wettbewerbsvorteil. Weitere 37 Prozent glauben, so besser internationale Kunden gewinnen zu können.

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