GfK erwartet starken Wandel der Konsumentenstrukturen

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Im Rahmen der »GfK Retail & Real Estate Konferenz« in Hamburg stellte GfK-Expertin Simone Baecker-Neuchl in ihrem Fachvortrag vor, welche soziodemografischen Veränderungen auf Europas Regionen zukommen. Daneben erläuterte sie die Auswirkungen auf den Einzelhandel durch die sich wandelnden Lebens- und Konsumeinstellungen.

Die Leiterin des Bereichs Market Data & Research von GfK GeoMarketing analysierte Trends in den soziodemografischen Umwälzungen bei den europäischen Konsumenten nach Regionen. Dabei untersuchte sie Einflussfaktoren auf den Konsum und die jeweiligen regionalen Unterschiede beispielsweise bei der Arbeitslosenquote, der Innovationsstärke, Bevölkerungswachstum/-überalterung und Migrationstrends sowie unterschiedlichen Lebenseinstellungen und Konsumstilen.

Die derzeitige Kaufkraftverteilung in Europa beschrieb Baecker-Neuchl als Clusterbildung in der Mitte Europas und in den Ballungsräumen, auch im sonst schwachen Osten Europas. Die nördlichen Länder sind bei hoher Kaufkraft geprägt durch ein hohes Preisniveau. Baecker-Neuchl erwartet eine Verschärfung der aktuellen Trends: »Die Lage in Ost-Deutschland wird sich weiter verschlechtern. Die Gegenden um Warschau und Stockholm verfestigen ihren im jeweiligen Land herausragende Stellung. Der Süden Deutschlands bleibt ebenfalls stark.«

Die Expertin fasst ihre vergleichende Analyse so zusammen: »Die Arbeitslosenquote ist im Osten Deutschlands auf einer Höhe mit dem Süden Italiens und sogar mit Teilen Polens. Norditalien, Westdeutschland und Schweden haben eine ähnlich positive Ausgangsituation.« Die Arbeitslosenquote wächst künftig laut Baecker-Neuchl besonders in den Gegenden, die derzeit kaufkraftstark sind und eine geringe Arbeitslosenquote aufweisen. In Teilen sei also eine – wenn auch sehr langsame – Annäherung der Regionen erkennbar.

Liegen derzeit noch südwestdeutsche Regionen wie Stuttgart, Oberbayern und Karlsruhe europaweit an der Spitze, geht die künftige Innovationskraft eher von anderen Regionen wie dem derzeit nach Absolutzahl der Patente noch abgeschlagenen Malopolskie oder Mazowieckie in Polen aus. Baecker-Neuchl zeigte, dass sich die jährliche Wachstumsrate an Patentanmeldungen dort positiv entwickelt – während im Vergleich die Zahl der Patentanmeldungen in den deutschen Regionen nahezu gleich bleibt. Baecker-Neuchl sieht die Gefahr, dass Deutschland auf lange Sicht die Vormachtstellung bei der Innovationskraft verliert.

Der Altenquotient in Europa wächst, aber laut Baecker-Neuchl sehr unterschiedlich. Damit muss sich der Handel dieser Herausforderung überall stellen – eine jeweils landesspezifische Betrachtungsweise ist dennoch notwendig. Im Zentrum Europas muss sich der Osten Deutschlands »der größten alters-demografischen Herausforderung« stellen. Betrachtet man die demografische Entwicklung in Europa, stellt Baecker-Neuchl heraus: »Im Osten Europas schrumpft die Bevölkerung aufgrund zu geringer Geburtenraten und Migration auffallend.«

Baecker-Neuchl weiter: »Konsumwunsch und Konsummöglichkeit ist je nach Lebensstil anders. Auch im Ländervergleich herrschen jeweils andere Lebensstile vor. Diese haben sich aufgrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklung der Länder durchgesetzt, sind derzeit aber durch neue Wachstumsmärkte in starker Bewegung.« Baecker-Neuchl zog aus der vergleichenden Analyse der GfK Roper Consumer Styles in den Beispielländern folgendes Fazit: »Die Lebensstilwelt Schwedens unterscheidet sich maßgeblich von den anderen Ländern: Postmaterialismus und Hedonismus sind weit überdurchschnittlich. Aber die Schweden konnten sich das auch leisten.« Die Bodenständigen und Häuslichen sind laut ihrer Analyse in Italien und Polen die größte Gruppe. Sie stecken ihre ganze Kraft in den Aufbau von Wohlstand. Der Anteil der Weltoffenen wird laut Baecker-Neuchl zukünftig in allen vier Ländern zunehmen. Baecker-Neuchl: »Damit steigt der Anspruch an die Einkaufsstätte – die Schnäppchenjäger werden tendenziell weniger.«

Zu den Konsumanteilen am Gesamteinkommen sagte Baecker-Neuchl: »Europaweit gilt, dass bis zum Einkommenslimit und darüber konsumiert wird.« Hierin sieht sie eine Gefahr für die dem Einzelhandel zur Verfügung stehende Kaufkraft; dies habe sich in der derzeitigen Krise auch schon schmerzhaft bemerkbar gemacht: »Konsum auf Pump wie etwa in UK, oder Konsum, der durch Transfers aus dem Ausland möglich war, wie etwa in Lettland, steht nicht mehr im gleichen Maße zur Verfügung.« Baecker-Neuchl erwartet somit, dass der Konsum über die eigenen Verhältnisse zumindest kurzfristig weniger werden wird.

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