„Die IT-Titanen müssen sich umstellen“

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Steve Brazier, CEO von Canalys, stellt auf der gleichnamigen Konferenz in Barcelona das Thema Transformation in den Mittelpunkt. Neue Trends werden die IT revolutionieren.

Die Canalys Konferenz, die vom 1. bis zum 3. Oktober in Barcelona stattfand, hat sich zum Mekka des europäischen Channels gemausert. Canalys CEO Steve Brazier betonte in seiner Keynote, Hersteller und Channel Partner müssten sich auf Transition einstellen. Die wirtschaftliche Situation in Europa sei besser als jemals in den letzten vier Jahren und der September der beste Monat in den letzten 18 Monaten. Die Situation wird sich weiter verbessern. In der IT Branche sei das Wachstum aber schwächer. Die Branche sei in Transition. „Die IT Titanen müssen sich umstellen“, so Brazier.

Das gute Wachstums bei Smart Devices schwächt sich ab. Das Geschäft mit Infrastruktur und Services wird schwer, die Software läuft besser. Der Tablet ist der neue PC und im vierten werden erstmals mehr Tablets als Notebooks verkauft. Die White Box Server sind auf dem Vormarsch. Die Energieversorgung in Europa wird teurer und das betrifft die IT Branche. Die PC Branche wird sich im nächsten Jahr stark konsolidieren. Das Android Betriebssystem setzt sich durch, Apple und Microsoft fallen dagegen zurück. Es gibt eine Preisrevolution und Windows 8 enttäuscht, Apple ist zu teuer.

Die großen vier sind künftig Android, Apple, Facebook und Google. Sie sind stark gewachsen, wollen aber nicht mit dem Channel arbeiten. Die channel-freundlichen Firmen stagnieren. Die bisherigen Allianzen bröckeln, weil jeder in das Territorium des anderen eindringt. So werden etwa Microsoft und VMware Rivalen, beide kommen in Konflikte mit Cisco. Cisco tritt gegen EMC an. EMC ist einzigartig, weil es die Kannibalisierung durch die eigenen Töchter toleriert. Die einst engen Partner Oracle und HP arbeiten gegeneinander. Microsoft tritt gegen seine bisherigen Hardware Partner an. HP bringt Android und Chrome Geräte. Intel hat falsche Prioritäten verfolgt und wird nie mehr dieselben Margen erzielen. IBM hat sich zu sehr auf das Geschäft mit Staaten und Behörden verlassen und will jetzt wieder KMUs angehen. SAP hat sich mit HANA einen Vorsprung erarbeitet, IBM und Oracle werden darauf antworten. Lenovo kauft zu, Dell führt einen Preiskrieg. Amazon ist dominant in Infrastructure as a Service (IaaS). Der Erfolg der Amazon Web Services (AWS) hat alle erschreckt. VMware will künftig gegen AWS antreten.

„Wir sind weiter skeptisch in Sachen Cloud. AWS verliert Geld, niemand verdient damit Geld“, stellt Brazier heraus. Die Telcos bewegen sich zu langsam. Die Cloud Service Provider müssen mit hohen Kosten kämpfen, einige sind bereits bankrott. Das Cloud Geschäft ist nicht profitabel. Der Ansatz, der Erfolg verspricht, ist eine branchenspezifische Cloud, wie sie etwa von EMC vorangetrieben wird. Die Cloud Service Provider haben entdeckt, dass sie nicht direkt verkaufen können und setzen jetzt auf den Channel. Fast jeder, der Software as a Service (Saas) Angebote hat, wie etwa Salesforce, verliert Geld.

Plötzlich beeinflusst die Politik die IT-Branche wie seit 20 Jahren nicht mehr. Der NSA-Skandal macht die Clouds unsicher. Es hat sich mittlerweile herausgestellt, dass auch On-Premise Ausrüstung absichtliche Sicherheitslücken hat. Es gibt eine Pflicht zu Verantwortlichkeit. Verschlüsselungstechnologien wie Lockbox werden attraktiver. Open Source Software kann die Infrastruktur schützen. Der wichtigste Trend ist es, dass die Daten im Land bleiben sollen. Die Deutsche Telekom ist vorbildlich in dieser Hinsicht mit einem E-Mail Dienst, der nicht über die USA geht. Nationale Zertifizierungen werden wichtiger.

All diese Trends können dem Channel nützen. Das wichtigste: Jedes Unternehmen wird ein Software-Unternehmen. Damit können sich Produkte differenzieren. Software kann Energie sparen, Apps ersetzen Leute. Tesla bietet ein software-basiertes Elektroauto, das mit einem Software Update über Nacht die Reichweite erhöht, ohne dass der Fahrer eingreifen muss. Das ist eine Herausforderung für alle etablieren Auto-Hersteller. In der software-definierten Welt werden Kundenwünsche sofort klar. Jeder Vorstand muss den digitalen Fortschritt beherrschen.

In den USA kommt der Chief Digital Officer, die sich von traditionellen Vorständen unterscheidet. Das Marketing wird digital und ist überall. Die neuen Formen der Kommunikation gehören Firmen. Atos wird eine null E-Mail Unternehmen werden. Wearable Computing ist noch nicht marktreif, aber es wird eine Revolution schaffen, zuerst im Gesundheitswesen, bei Wellness und Fitness. Babies und Senioren können permanent überwacht werden. Die durch Apps kontrollierte vibrierende Unterwäsche kommt, die IT beeinflusst damit die Sex-Branche. Nach dem Hype für Big Data kommt jetzt die echte Analyse. Es gibt aber bisher nicht genug Fachkräfte und oft werden falsche Daten abgefragt. Die IT versteht nicht die Geschäftsanforderungen und die Menschen wollen sich bestätigt sehen.

Hardware hat eine Zukunft, der 3D-Drucker Markt wird sich verdoppeln. Marktführer im 3D-Druck sind bisher unbekannte kleine Firmen. Die Finanzierungsform Kickstarter unterstützt 3D-Drucker-Start-Ups. Hier entsteht in fünf bis zehn Jahren eine riesige Geschäftsmöglichkeit.