SAP Apotheker tritt zurück

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Am 7. Februar hat der SAP Aufsichtsrat entschieden, den Vorstandsvertrag von Leo Apotheker nicht zu verlängern. Dieser ist daraufhin sofort zurückgetreten. »Höchste Zeit«, findet Analyst Andreas Zilch von der Experton Group.

Offiziell liest sich das so: Der Vorstand hat mit Zustimmung des Aufsichtsrats die beiden Vorstandsmitglieder Bill McDermott, verantwortlich für Vertrieb, und Jim Hagemann Snabe, verantwortlich für Produktentwicklung, zu gleich berechtigten Vorstandssprechern ernannt. Zusätzlich hat der Aufsichtsrat Vishal Sikka, Chief Technology Officer, zum Vorstandsmitglied bestellt. Auf Wunsch des Aufsichtsrats wird Hasso Plattner, Mitgründer der SAP und Aufsichtsratsvorsitzender der SAP AG, weiterhin eine starke Rolle spielen, um die neue Führung in Fragen der Technologie und der Produktentwicklung zu beraten. »Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen«, wünscht sich Plattner. »Die neue Führung wird die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie den Fokus auf profitables Wachstum beibehalten und weiter vorantreiben und mit unseren Innovationen im Jahr 2010 die führende Position im Markt weiter ausbauen.«

Der Unternehmenssoftwarekonzern hat in den letzten 18 Monaten eine sehr schwierige Phase durchgemacht, die nach Ansicht von Beobachtern aber nicht nur auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen ist. So verlor SAP in dieser Zeit insgesamt und gegenüber dem Rivalen Oracle an Boden verloren und war zuletzt extrem verunsichert, wie Andreas Zilch, Vorstand und Lead Advisor der Experton Group kommentiert. Hinzu kam nach Ansicht des Analysten eine sehr schlechte externe und interne Kommunikation. Eingeleitet wurde diese Entwicklung demnach mit der Berufung von Leo Apotheker als Vorstandsvorsitzenden, der gegenüber seinem Vorgänger Kagermann mehr Wert auf Vertrieb, Marge und Aktienkurs legen sollte. Das habe Apotheker zweifellos getan, wenn auch ohne Erfolg. So habe sich der SAP Aktienkurs gegenüber dem Hauptkonkurrenten Oracle in der Zeit von Leo Apotheker um über 25 Prozent schwächer entwickelt.

Kommunikationsprobleme: Geschasster SAP Vorstand Leo Apotheker

Die vielen Fehlentscheidungen und Pannen der letzten eineinhalb Jahre alleine auf Apotheker zu schieben, greift aber sicher viel zu kurz. Er mag zwar gegenüber Kunden und Mitarbeitern sehr überheblich gewirkt haben, so Zilch – die strategische Ausrichtung hat er aber nicht allein zu verantworten. Vielmehr wurde diese von mehreren Stakeholdern entschieden und von Apotheker exekutiert. Bei allen Verdiensten von Hasso Plattner für SAP – er hat wohl nach Shai Agassi zum zweiten Mal eine wichtige Personalentscheidung »falsch« getroffen. »Falsch«, weil die jeweilige Strategie – zumindest partiell – richtig war, aber von den Personen nicht erfolgreich umgesetzt werden konnte.

Die aktuelle SAP Strategie sei weder für Mitarbeiter noch für Kunden zweifelsfrei zu erkennen, glaubt Zilch. Im Basisgeschäft sei SAP solide und erfolgreich, Innovationen scheiterten aber regelmäßig, die Kommunikation intern wie extern sei katastrophal und daher sei auch die extreme Verunsicherung auf allen Ebenen zu erklären. SAP muss nicht nur ein solides Basisportfolio liefern, sondern auch Innovationen wie Netweaver und BusinessByDesign erfolgreich entwickeln und vermarkten, so die Analystenmeinung. Weiterhin müsse SAP die »alten Tugenden« wie Kundenorientierung, das Partner-Universe und Branchen- und Prozess-Know-How kombinieren mit neuen Komponenten wie Communities, Web2.0 und Cloud Computing.

»Die Kunden müssen jetzt sehr sensibel auf die Signale der SAP achten – und daraus die eigenen Konsequenzen bezüglich der strategischen Bindung an SAP ziehen. SAP muss wieder lernen, auf ihr Umfeld zu hören und das Verhalten danach auszurichten. Das ist in einer Zeit, in der sich die Softwareindustrie komplett wandelt nicht nur erfolgskritisch, sondern vielmehr langfristig überlebensnotwendig«, so Zilch.

Andreas Zilch, Vorstand und Lead Advisor der Experton Group