Trends im Handel – gekauft wird immer (noch)

Retail

Eine sich verschärfende Wirtschafts- und Finanzkrise, enormer Konkurrenzdruck und verändertes Kaufverhalten sind Kennzeichen des Umfeldes und der Situation, in denen sich deutsche Handelsunternehmen derzeit befinden. Eine Analyse der Experton Group.

Gedrückte Verbraucherstimmung

Die gedrückte Verbraucherstimmung drückt sich darin aus, dass in jüngsten Umfragen knapp 60 Prozent der Deutschen angeben, ihre Ausgaben zukünftig einschränken zu müssen, womit die Aussichten für den Handel in 2009 insgesamt eher als trübe zu bezeichnen sein dürften. Die Auswirkungen moderater Entwicklungen der Verbraucherpreise und der Konjunkturpakete bleiben abzuwarten und werden durchaus kontrovers eingeschätzt.

Hinzu kommt, dass der Handel immer stärker mit zahlreichen rechtlichen und regulatorischen Anforderungen konfrontiert ist, die unter Umständen einen deutlichen Mehr- und Kostenaufwand nach sich ziehen. Beispielhaft können hier die Reform der Gewerbe- und Erbschaftssteuer angeführt werden, die Chemikalienverordnung, die Neuordnung Verbraucherrechts auf europäischer Ebene und SEPA. Auf der anderen Seite gibt es aber auch positive Signale wie durch das geplante dritte Mittelstandsentlastungsgesetz, dessen Auswirkungen auf die überwiegend mittelständisch geprägte Handelsbranche (weniger als 10 Prozent der Unternehmen haben mehr als 100 Mitarbeiter) abzuwarten sind.

In 2008 setzte der Einzelhandel ohne Kfz-Handel, Apotheken, Tankstellen und Brennstoffe nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 399,6 Milliarden Euro um. Das entspricht einem nominalen Umsatzplus von 1,1 Prozent zum Vorjahr. Preisbereinigt ergibt sich aber ein Rückgang um 0,8 Prozent. Auch der Großhandel als weiterer großer Bereich konnte das Jahr 2008 mit einem Umsatzplus abschließen. Im Gesamtjahr lagen die Erlöse real um 3,0 Prozent und nominal um 8,4 Prozent höher als ein Jahr zuvor.

Doch die Prognosen für 2009 sind eher pessimistisch. Insgesamt wird mit einem Rückgang des nominalen Einzelhandelsumsatzes in einem Korridor von Null bis einem Prozent für 2009 gerechnet.

Positive Entwicklungen im Online-Handel

Neben Anzeichen einer negativen Entwicklung gibt es aber auch positive Entwicklungen in Teilsegmenten der Branche. Hierzu zählt zuallererst der Online-Handel, der 2008 um knapp 15 Prozent auf 19,3 Milliarden Umsatz zulegen konnte. Entgegen der Meinung, es finde eine Verdrängung des stationären Handels durch den Online-Handel statt, wird eher ein Nebeneinander bzw. ein Sowohl als auch der beiden Konzepte erwartet. In den kommenden drei Jahren ist von einem weiterhin zweistelligen Zuwachs für den Online-Handel auszugehen, weshalb sich insbesondere immer mehr stationäre Einzelhändler in Richtung Multi-Channel entwickeln.

Weitere wichtige Hoffungsträger sind Themen wie Bioprodukte und Gesundheit, die derzeit stark von preisorientierten Discountern nachhaltig verfolgt werden. Und auch die klassische Unterhaltungselektronik mit ihren Produkten soll ein Garant für zufriedenstellende Handelsumsätze auch in Zukunft bleiben.

Angesichts eines veränderten Kundenverhaltens rückt das Thema Kundenbindung immer stärker in den Vordergrund. In diesem Zusammenhang wird das Dienstleistungskonzept von vielen Händlern entdeckt, und auch die so umstrittene und viel kritisierte Kundenkarte wird von vielen als richtiger Weg zu einem effektiven One-to-One-Marketing als Voraussetzung einer nachhaltigen Kundenbindung gesehen.

Ebenfalls wichtige Trends im Handel sind weiterhin RFID und Internationalisierung ebenso wie die Optimierung der Handelslogistik, die zwar im eigenen Unternehmen mittlerweile auf einem guten Stand ist, aber an einer übergreifenden Betrachtung der Versorgungskette muss noch weiter gearbeitet werden.

Quelle: Experton Group

Der Handel ist kein Lieblingskind der IT-Branche

Die Unternehmen der Handelsbranche stehen in einem enormen Konkurrenzverhältnis. Auf der Suche nach Wettbewerbsvorteilen wächst daher das Bewusstsein für die strategische Bedeutung der unternehmenseigenen IT. So waren auch in der Vergangenheit erfolgreiche Veränderungsprozesse ob bei Kundenansprache, am Point of Sale oder beim Sortiment dem effektiven Einsatz von IT-Systemen geschuldet.

Dennoch ist der Handel kein Lieblingskind der IT-Branche. Zwar bietet er gutes Absatzpotential, ist doch seine IT-Landschaft insgesamt betrachtet sehr heterogen, weil historisch gewachsen. Sie arbeitet zum Teil nicht vernetzt und blockiert an vielen Stellen immer noch wichtige Automations- und Effizienzsteigerungspotenziale. Angesichts der wirtschaftlich schwierigen Situation ist jedoch das Thema Kostensparen wieder in den Mittelpunkt jeglicher IT-Fragestellungen gerückt. So bleibt der Handel weiterhin und mehr denn je vorsichtig, was Investitionen in neue Technologien anbetrifft. Ob sich dies in den kommenden Jahren verbessern wird, ist schwer vorherzusagen, doch lange Investitions- und Abschreibungszyklen und lange Projektvorlaufzeiten sind ohnehin eher die Regel als die Ausnahme im Handel.

Innovative Techniken für E-Commerce oder Web 2.0 sind aber ohne Zweifel interessante Themen für den Handel, jedoch spielen diese in erster Linie beim Versand- und Internethandel eine wichtige Rolle, der sich im Vergleich zum stationären Handel deutlicher Umsatzzuwächse erfreuen kann.

Der Großteil des IT-Budgets wird aber immer noch für den alltäglichen Betrieb und die Wartung der Systeme aufgewendet. Investitionen drehen sich also in erster Linie um die Verbesserung des bisherigen Bemühens als um die Finanzierung innovativer großflächiger Rollouts.

Positive Impulse im Projektgeschäft

Die Sicherheit der IT-Systeme zählt neben der fortschreitenden Vernetzung und Konsolidierung der Systeme mit den einhergehenden Umwälzungen der entsprechenden IT-Landschaft nach Analysen der Experton Group wie in den vergangenen Jahren weiterhin zu den Top Prioritäten ebenso wie die Steigerung der Prozesseffizienz.

Die Themen Supply Chain Management, Konsolidierung und Harmonisierung werden insbesondere von Seiten der „Handelsriesen“ wegen ihrer internationalen Expansionsstrategien sowie Übernahmen und Fusionen priorisiert. Die Integration der IT vom Warenwirtschaftssystem über die Supply-Chain-Organisation bis zum Personal-, POS- und Filialmanagement ist dabei ein weiterhin wichtiges Anliegen. Vernetzte IT-Systeme sollen genauere Informationen liefern, mit denen die Planung und Steuerung der Lieferkette sowie Einkauf und Bestandsführung optimiert werden können.

Weiterhin positive Impulse im Projektgeschäft ergeben sich durch den anhaltenden Trend zum Multi-Channeling, da die verschiedenen Kanäle weiterhin effektiv integriert werden müssen, insbesondere im stationären Handel. Auch sind die Anforderungen an die IT in diesem Zusammenhang deutlich höher (intuitive Suchmaschinen, Analyse des Kundenverhaltens).

Übernahmen sind im Handel auch in Zukunft eine gute Basis und Gelegenheit für IT-Projekte, da die IT-Systeme der fusionierten Firmen integriert und harmonisiert werden müssen.

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