Lenovo: Strategischer Rückzug aus Deutschland?

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Der mit umgelabelten IBM-Produkten gestartete chinesische Hersteller von Rechnersystemen agiert (nicht nur) auf dem deutschen Markt weniger erfolgreich als erwartet. Das hat Konsequenzen: Deutschlandchef Marc Fischer musste jetzt nach der CeBIT überraschend seinen Hut nehmen.

Die Geschäfte des offensichtlich glücklosen Herstellers von Notebooks, PCs und Servern der »Think«-Modellreihen denkt offenkundig über nachhaltige Veränderungen seiner Geschäftsstrategie nach. Mit dem Rausschmiss des ehemaligen HP-Manns Fischer, der im Jahr 2003 zu IBM gegangen und dann im Rahmen der Akquisition von Teilen des IBM-Hardwaregeschäfts von den Chinesen übernommen worden war, sollen die Geschäfte fortan aus der Lenovo Europazentrale in Paris geführt werden. Fischer erscheint damit als überraschendes Opfer der noch von ihm selbst am Rande der CeBIT angekündigten »Überprüfung und Vereinfachungen« der Vertriebs- und Managementstrukturen. Insgesamt will Lenovo 2500 Mitarbeiter weltweit entlassen, das sind 11 Prozent der Belegschaft.

Nicht erfolgreich genug: Deutschland-Chef Marc Fischer muss gehen

Bereits im Februar war schon Konzernchef Bill Amelio, den man von Dell abgeworben hatte, in die Wüste geschickt worden. Ihm wurden Verluste in Höhe von fast 100 Millionen Dollar (Quartal 4/08) und ein Umsatzrückgang um 20 Prozent angekreidet. So gilt Lenovo unter den großen Computerherstellern derzeit als derjenige mit dem schwächsten Wachstum. Aber auch in den USA und im chinesischen Heimatmarkt läuft es nicht gut. Hier war Lenovo alias Lianxiang, wie der Konzern früher hieß, einst die unumstrittene Nummer eins. Marktführer in Deutschland ist übrigens seit kurzem Acer, weltweit ist der um ein Viertel gewachsene Konkurrent aus Taiwan zwar erst die Nummer. 3, aber schon auf Platz 2 im Notebook-Segment, wie gerade verkündet wurde.

So zeigt sich im Nachhinein, dass IBM seine auf Geschäftskunden fokussierte Notebook-Produktion damals (2004) wohl nicht ohne Grund loswerden wollte. Der Consumer-Markt wurde auch unter Lenovo weiterhin vernachlässigt, und auch auf den Trend zu modischen Mini-Notebooks alias Netbooks hat man nach Meinung mancher Beobachter einfach zu spät reagiert. Made in China heißt nun also auch „Managed in China“. Schade um eine starke Marke, die traditionell nicht nur Businesskunden stets begeistert hat.

Ins Trudeln geraten: Lenovo alias IBM alias Thinkpad & Co

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