Telekommunikationskonzern AT&T kauft Mediengigant Time Warner

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AT&T kauft Time-Warner (Bild: ZDNet)

Wer dachte, die 67 Milliarden Dollar von Dell für EMC seien das größte Geschäft des Jahres gewesen, wird von den 85,4 Milliarden des neuen Deals eines Besseren belehrt. Das Geschäft hat auf den deutschen IT-Channel jedoch noch wenig Auswirkungen.

Die Medien wie CNN, HBO, Warner Bros sowie 10 Prozent des Netflix-Konkurrenten Hulu und alle Schulden von Time Warner gehören nun zu AT&T. Die Übernahme des Medienunternehmens Time Warner für 85,4 Milliarden Dollar ist allerdings inklusive der Schulden, die AT&T auch übernimmt, ganze 108,7 Milliarden Dollar wert. Time-Warner-Aktionäre erhalten 107,50 Dollar pro Aktie, die sich aus 53,75 Dollar in bar und 53,75 in Aktien zusammensetzen. Ein Teil der Barabfindung soll über neue Schulden finanziert werden. Der Deal wäre damit die bislang größte Unternehmensübernahme weltweit in diesem Jahr. Die Regulierungsbehörden müssen allerdings noch zustimmen.

Notebook-Geldabgabe (Bild: Shutterstock-KitchBain)

AT&T, das erst 2015 den Satelliten-TV-Anbieter DirecTV für rund 49 Milliarden Dollar erwarb, wagt sich mit dieser Übernahme ins Geschäft mit TV- und Filminhalten vor. Der größte US-Telekommunikationskonzern will durch den Zusammenschluss der erste US-Mobilfunkanbieter werden, der landesweit mit Kabelanbietern in den Bereichen Breitband und Video konkurrieren kann. AT&T will nicht nur das Netzwerk sein eigen nennen, über das Videos angesehen werden, sondern auch den Content selbst besitzen. Mit der gigantischen Übernahme von Time Warner könnte AT&T die Basis für einen umfangreichen Over-the-top-Videodienst schaffen.

“Dies ist eine perfekte Kombination von zwei Firmen mit unterschiedlichen Stärken, die frischen Wind in die Arbeit der Medien- und Kommunikationbranche mit Kunden, Content-Produzenten, Händlern und Werbetreibenden bringen kann”, erklärt Randall Stephenson, Vorsitzender und CEO von AT&T. “Premium-Inhalte gewinnen immer. Das hat sich auf der großen Leinwand bewahrheitet, auf dem TV-Bildschirm und jetzt auch auf dem mobilen Bildschirm. Wir werden den besten Premium-Content weltweit mit dem besten Netz bieten, um ihn auf jeden Schirm zu bringen”.

“Das ist ein großer Tag für Time Warner und seine Aktionäre. Der Zusammenschluss mit AT&T ermöglicht es uns unsere großen Marken und Premium-Inhalte und die Verbraucher deutlich schneller auf Multiplattform-Basis zu bringen und die enormen Chancen zu nutzen, die sich aus der wachsenden Nachfrage nach Video Content ergeben”, schreibt Time Warner Chairman und CEO Jeff Bewkes in einer Erklärung. “Das war eine unsere wichtigsten strategischen Prioritäten und wir kommen gut voran – sowohl hinsichtlich der Partnerschaft mit unseren Distributoren als auch durch die Tatsache, dass wir uns direkt mit den Verbrauchern verbinden”.

Die Organisation Free Press kritisierte den geplanten Zusammenschluss von AT&T und Time Warner. Free Press Policy Director Matt Wood erklärte am Samstag dazu: “Große Zusammenschlüsse wie dieser führen dazu, dass Menschen letztlich höhere Preise bezahlen, um das geliehene Geld für diese Deals und die “goldenen Rettungsschirme” zu finanzieren. Die Geschäfte werden von dem Wunsch der Wall Street nach schnellem Wachstum um jeden Preis getrieben. Und genau wie es nach dem AT&T-Kauf von DirectTV zu Preiserhöhungen kam, gibt es auch hier wieder guten Grund anzunehmen, dass dieser mögliche Zusammenschluss für Internet-Nutzer und TV-Zuschauer teuer werden könnte”.

Parallel zur Bekanntgabe des Time Warner Deals veröffentlichte AT&T die Ergebnisse des dritten Quartals. AT&T meldete ein Ergebnis von 0,54 Dollar je Aktie und einen Umsatz von 40,9 Milliarden Dollar. Das operative Ergebnis stieg um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Im IT-Bereich wirkt sich das Geschäft in Deutschland noch kaum aus – AT&T Global ist im Vernetzungsbereich hierzulande schon lange aktiv und hat seine eigenen TK-Vertriebskanäle. Nur durch den Zuwachs bei den Medienbereichen könnte der Content-Markt in Deutschland bald noch umkämpfter sein als er ohnehin schon ist. Sorgen machen müssen sich hierzulande dann eher Konzerne wie United Internet, die derzeit gut von der Kombination aus Content und Vernetzung leben. Möglicherweise müsste sich aber der US-Konzern auch damit anfreunden, dass in deutschen Landen schon etablierte Player diesen Markt (mit nicht zu üppigen Margen) beherrschen.

[Mit Material von Anja Schmoll-Trautmann , ZDNet.de]

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