Druckkopfstreit von HP und Memjet weltweit beendet – Großformatdrucker beider Hersteller wieder verkaufbar

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Achim Carius (Bild: Motio-Netzwerk)

Memjet und HP, beide ihren Angaben nach Erfinder der schnellen „Alles-auf-Einmal“-Druckköpfe für Printer im Großformatbereich, haben sich auf einen Vergleich geeinigt. So können keine gegenseitigen Eintweiligen Verfügungen mehr Geschäfte und Service in diesem Bereich verhindern.

HP vergleicht sich im Druckkopf-Patentstreit weltweit mit Wettbewerber Memjet. „Der seit einem Jahr vor Patentgerichten weltweit ausgetragene Druckkopfkrieg zwischen den beiden US-amerikanischen Herstellern Memjet und Hewlett Packard wurde jetzt durch einen außergerichtlichen Vergleich beider Parteien beendet“, meldet Motio. „Anwender von HP-PageWide-Großformatprintern können aufatmen”, erklärt dazu das Motio-Netzwerk mit Sitz in Frankfurt am Main.

Druck-Verband Motio (Logo: Motio)
Der Druck-Verband Motio ist erleichtert, dass seine Mitglieder weiter mit den Print-Systemen von Memjet oder HP arbeiten könen.

Der Marketing- und Kommunikationszusammenschluss von im Druck- und Reprographie-Bereich aktiven Unternehmen half wohl dabei, darauf hinzuwirken, dass die beiden US-Streithähne nun die Friedenspfeife rauchen. Nach Informationen von Motio-Geschäftsführer Rechtsanwalt Achim Carius haben sich die beiden Unternehmen mit weltweiter Wirkung auf den Verzicht von weiteren juristischen Schritten im Patentstreit geeinigt.

Branchenkenner rechnen demnach damit, dass HP an seinen lästigen Konkurrenten Memjet eine beträchtliche Ablösesumme in zweistelliger Millionenhöhe hat zahlen müssen, damit der seine juristischen Offensiven vor deutschen und amerikanischen Zivilgerichten einstellt. HP und Memjet hätten hierzu aber bislang noch keine Presseveröffentlichungen herausgegeben.
 
Memjet war es kürzlich gelungen, für eine Dauer von drei Monaten den Vertrieb von HP-Tintenstrahl-Großformatdruckern der Modellreihe PageWide in Deutschland zu blockieren. Das Landgericht München erließ ein striktes Import- und Vertriebsverbot, das HP einen gewaltigen Imageschaden zufügte.
 
Der Verkündungstermin des Oberlandesgerichtes München, der eine Entscheidung nach erfolgter Hauptverhandlung vom 9. Juni 2016 vorsah, wurde aufgehoben. “Wegen Rücknahme des Antrages” durch Memjet als Berufungskläger, so eine Gerichtssprecherin gegenüber Motio.
 
“Zahlreiche Mitglieder des Motio-Netzwerkes (Wirtschaftsverband Kopie & Medientechnik e.V.) arbeiten bereits mit den neuen Memjet-Hochleistungs-Printern. Die können nun mit ihren Systemen weiter arbeiten, ohne Gefahr zu laufen, dass diese wieder mit einem Verbot belegt werden“ heißt es. Auch der technische Service sei weiter gesichert. Motio freut sich ganz besonders, dass sein Industriemitglied Kisters AG als Europas größter PageWide-Fachhändler viele Motio-Betriebe ungestört weiter beliefern kann. Bei Kisters zeigte man sich erleichtert über diese Nachricht. PageWide-Manager Thomas Rauh nahm die Botschaft mit großer Freude auf.

HP-Pgewide und Memjet-Druckkoepfe (Bild: ZDnNet.de mit Material von Memjet und HP).
Für den Einsatz in schnellen Druckern vorgesehene, seitenbreite Druckköpfe von Memjet (oben) und HP (Bild: ZDnNet.de mit Material von Memjet und HP)

Carius hatte erst kürzlich anlässlich der DRUPA-Messe mit dem weltweit für Memjet-Großformatprinter verantwortlichen Memjet-Manager Kevin Shimamoto gesprochen. Von einer Aufgabe oder einem Rückzug war noch keine Rede. Inhalt und Umstände des Vergleichs scheinen noch geheim zu bleiben.

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