Widersprüchliche Zahlen zum PC-Markt deuten Erholung an

Köpfe
Notebooks/PCs (Bild': Shutterstock, Maxim-Sosedov)

Schrumpft oder wächst der PC-Markt in Europa? Unterschiedliche Veröffentlichungen von IDC und Context Research zeigen, dass irgendwie beide recht haben – es ist nur eine Frage, welche Daten erfasst und wie sie interpretiert werden.

Laut IDC schrumpfte der PC-Markt in Europa im vierten Quartal 2015 um 18,2 Prozent. Geht man nach den Zahlen, die Context bei den westeuropäischen Distributoren erfasst, hat sich der PC-Absatz im vierten Quartal 2015 aber leicht gebessert. Kurzum: Die Schrumpfung schrumpft.

Context Ccountry-Breakdown Q4/2015 (Bild: Context)
PC-Markt: Die Deutschen und Schweden sind die Verlerer des letzten Quartals, aber Briten und Spanier bremsen den Abstieg (Quelle: Context).

Tatsächlich geht IDC vom Umsatz der Hersteller aus, Context von Stückzahlen bei den Distributoren. IDC berichtet über absolute umgesetzte Summen, Context über Veränderungen – oder genauer gesagt Änderungen der Veränderungen.

Laut IDC sind die PC-Verkäufe in Europa, dem Mittleren Osten und Afrika (EMEA) im vierten Quartal 2015 um 18,2 Prozent eingebrochen. Aktuellen Zahlen zufolge verkauften die Hersteller 20,8 Millionen Computer. Auch das Kalenderjahr 2015 schließt die Branche mit einem deutlichen Minus von 18 Prozent ab. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 76,3 Millionen PCs und Laptops ausgeliefert.

Im Vergleich zu 2014 fehlten laut IDC im vergangenen Jahr Impulse wie das Support-Ende von Windows XP oder von Microsoft im Rahmen seines Bing-Programms subventionierte PCs. Zudem hätten viele Händler Ende 2014 angesichts des steigenden Dollarkurses ihre Lagerbestände erhöht. “Aber 2015 wurde zu einem sehr teuren Jahr für alle, da der Abbau der Lagerbestände nicht nur elf Monate dauerte, auch die Preise mussten gesenkt werden”, schreiben die Marktforscher.

IDC Q4/15 nach Hersteller (Quelle IDC)
Den IDC-Zahlen zufolge behaupten die drei Marktführer ihre Position im PC-Abverkauf (Quelle: IDC)

Neue Technologien wie Windows 10 und neue Prozessoren hätten es indes nicht geschafft, diesen Trend umzukehren, so IDC weiter. “Der Abschwung war zu erwarten”, kommentierte Chrystelle Labesque, Associate Director von IDC EMEA. Rechne man Microsofts Bing-Programm heraus, sei der Consumer-Markt nicht geschrumpft, sondern stagniert, “was ein ermutigendes Zeichen der Stabilisierung ist.”

In Westeuropa ging der PC-Absatz demnach zwischen Oktober und Dezember um 13,1 Prozent zurück. In Zentral- und Osteuropa betrug das Minus 24,7 Prozent. Noch schlechter schnitten der Mittlere Osten und Afrika ab. Dort lieferten Hersteller 28,9 Prozent weniger Computer aus als im Vorjahreszeitraum.

Zudem beobachtete IDC im vergangenen Jahr eine zunehmende Konsolidierung des Markts. 2015 hatten die drei größten Hersteller – HP, Lenovo und Dell – demnach einen gemeinsamen Marktanteil von 54 Prozent. 2014 waren es noch 50 Prozent.

Nach Context war der Rückgang im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 0,1 Prozent nur noch marginal (im dritten Quartal sei er noch drei Prozent gewesen). Wo sich IDC und Context einig sind, ist der Schwund in Deutschland: Sowohl nach Stückzahlen als auch nach Umsätzen ging es hierzulande bergab.

Laut Context legten die Märkte in Großbritannen (10 Prozent), der Schweiz (5,9 Prozent) und Spanien (8,3 Prozent) sogar ordentlich zu. Die hier positive Entwicklung hätten die Konsumenten getragen, nicht die Unternehmen: Insbesondere der B2C-Markt konnte um drei Prozent gesteigert werden. Laut Context-Analystin Marie-Christine Pygott hätten die Convertibles den größten Anteil am Zuwachs.

Im Schlussquartal hätten die Großhändler zudem ihre PC-Lagerbestände auf ein erträgliches Maß senken können – der Abverkaufsstau zu alter Systeme scheint gebrochen worden zu sein. Die kostenlose Weitergabe von Windows 10 an Käufer von älteren (preisreduzierten) Windows-PCs hat dabei wohl eine große Rolle gespielt.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de und von Context und IDC]

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