Beziehungsarbeit lohnt sich

Trends

Die Beziehung zwischen CFOs von CIOs ist nicht immer einfach, sollte aber zum Wohl der Unternehmen verbessert werden, meint Hermann Stehlik, Vice President Zentraleuropa, Epicor Software.

Es folgt die Einschätzung von Hermann Stehlik, Vice President Zentraleuropa, Epicor Software: Traditionell ist die Beziehung zwischen CFOs und CIOs nicht die Einfachste, aber sie wird intensiver. Die industrieübergreifende digitale Transformation erfordert eine neue Qualität der Kooperation, um Wachstum nachhaltig voranzutreiben. So geben beispielsweise in einer Studie von Ernst & Young. 61 Prozent der CFOs an, dass sie in den letzten drei Jahren enger mit CIOs zusammengearbeitet haben, 71 Prozent sagen, dass sie auch stärker in die „IT Agenda“ eingebunden sind. Doch die Zusammenarbeit hat Hürden: 42 Prozent sagen, es fehlen definierte Leistungskennzahlen, um die Finanzperformance mit der IT Agenda zu verknüpfen. Mehr als ein Drittel gibt an, dass die Prozesse und Tools von CFO und CIO nicht kompatibel seien. Als größtes Problem gilt laut 44 Prozent der Befragten das mangelnde Verständnis für IT Angelegenheiten seitens der Finanzabteilung. Stellt sich die Frage: Wie sieht es mit dem Verständnis für den CFO aus? Welche Anforderungen stellen CFOs an die IT?

Epicor-Studie analysiert sechs CFO-Typen

Antworten auf diese Fragen sind nicht zuletzt vom Typus des CFOs abhängig – wie eine aktuelle europaweite Studie von Epicor zeigt. Aus der Befragung von 1.500 CFOs identifiziert die Epicor-Studie sechs unterschiedliche Charaktere und analysiert, wie sich deren Führungsstil auf Entscheidungsprozesse und Präferenzen gegenüber der IT auswirkt.
Demnach bilden mit 27 Prozent die Politiker unter den CFOs die größte Gruppe, 20 Prozent sind Revolutionäre, 18 Prozent Fürsorgliche, 17 Prozent werden als Dirigenten charakterisiert, 9 Prozent sind Traditionalisten und ebenfalls 9 Prozent Visionäre.

Teamorientierte Politiker

Der Typ Politiker ist eher vorsichtig, methodisch und teamorientiert. Bei wichtigen Entscheidungen bezieht er auf breiter Basis Mitarbeiter mit ein, verschiebt lieber eine Entscheidung als Fehler zu riskieren. 27 Prozent der Politiker glauben, dass Collaboration wichtig ist und unterstützt werden muss, der Durchschnittswert liegt bei 22 Prozent. Zudem legen sie mehr Wert auf Datenqualität (53 Prozent im Vergleich zu durchschnittlich 44 Prozent) und sind zu 76 Prozent mit ihren IT-Systemen zufrieden (Durchschnitt ist 64 Prozent). Dabei setzen 40 Prozent der Politiker auf maßgeschneiderte Lösungen.

Strenge Traditionalisten

Der Traditionalist ist eher streng und arbeitet bevorzugt innerhalb bestehender Systeme und Prozesse – ein eher bürokratischer Typus, dem Veränderungen widerstreben. Entscheidungen fällt er möglichst objektiv und lässt sich nicht von politischen Aspekten oder äußeren Faktoren wie Image oder Status einer Person beeinflussen. Nur 9 Prozent der Traditionalisten unter den CFOs glauben, dass sie heute mit ihren IT-Systemen effizienter als früher arbeiten können, im Durchschnitt liegt dieser Wert bei 23 Prozent. Dennoch sind nur 14 Prozent (Durchschnitt bei 32 Prozent) der Meinung, dass ihre IT-Systeme ein Update benötigen.

Risikofreudige Revolutionäre

Das Gegenteil davon ist der Revolutionär. Er scheut sich nicht, unkonventionell zu denken und ist gerne bereit, eine Veränderung von Unternehmenskultur und Strukturen in Betracht zu ziehen. Sein Ansatz ist weniger strukturiert, er arbeitet häufig außerhalb formaler Systeme und Prozesse und nimmt, falls nötig, auch Risiken in Kauf. Anspruchsvoll, wie sie sind, versäumen es Revolutionäre durchaus mal, sich mit Kollegen abzusprechen und Konsens zu schaffen. Sie wollen die Dinge erledigen, treiben Pläne voran und setzen hohe, herausfordernde Ziele. Sie lassen die Dinge nicht schleifen und scheuen sich nicht vor schwierigen Entscheidungen. Unter allen CFO-Typen stehen sie der IT im Finanzwesen am kritischsten gegenüber: 48 Prozent halten die IT-Unterstützung, die sie bekommen, für unzureichend, der Durchschnitt liegt bei 36 Prozent.

Dirigenten mit Bauchgefühl

Dirigenten verlassen sich eher auf ihr Bauchgefühl als auf harte Fakten (54 Prozent im Vergleich zu 46 Prozent im Gesamtdurchschnitt) und wollen die Effizienz der bestehenden Systeme verbessern. Radikale Veränderungen oder Reformen liegen ihnen nicht. Sie sind entscheidungsfreudig und schlagen daher manchmal einen guten Rat von Kollegen in den Wind.

Fürsorgliche mit Sinn für Details

Die Fürsorglichen sind für Veränderungen offen, wenn sie planvoll und nicht übereilt erfolgen. Ihr vorsichtiges Vorgehen zieht Entscheidungsprozesse teilweise in die Länge – sie verschieben eher als Fehler zu machen. Mehr als alle anderen (52 Prozent im Vergleich zu 44 Prozent des Durchschnitts) fürchten sie Mangel an präzisen Daten. So achten sie sehr auf Details und beziehen bei wichtigen Entscheidungen Kollegen mit ein, setzen auf Konsens bevor sie handeln.

Visionäre bereit zur Veränderung

Der Typ Visionär agiert außerhalb von Normen, begrüßt Veränderung und entscheidet anhand von Erfahrung und Intuition. Mehr als die anderen (26 Prozent versus Durchschnitt mit 18 Prozent) ist er besorgt, dass Zeit und Ressourcen für die nötigen Einblicke fehlen. 41 Prozent der Visionäre denken, dass ihre IT-Systeme ein Update benötigen (der Durchschnitt liegt bei 32 Prozent) und 27 Prozent sind der Ansicht, dass sie bald in neue Systeme investieren sollten (Durchschnitt: 17 Prozent). Flexibel und intuitiv achten sie weniger auf Details.

Fazit

Sich den Führungsstil und Charakter des CFOs bewusst zu machen, ist für CIOs wichtig. Es hilft ihnen, Kostenmanagement und Investitionsentscheidungen effizienter zu unterstützen, im Hinblick auf Detailtiefe und Risikobewertung besser zu kommunizieren und damit ein fundiertes Verständnis für den Wertbeitrag der IT am Unternehmenswachstum zu schaffen.