Strategie

Dell plant die nächste große Aquise

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Das Übernahmekarussell dreht sich weiter: Nachdem Dell vor einger Zeit mit viel Geld und Durchhaltevermögen im Storage-Bereich punktete und Patente für das Deduplizieren übernahm, bietet der PC-Riese jetzt 33 Dollar pro Aktie für EMC.

EMC, Marktführer bei Storage Area Networks und zusätzlich aktiv im Bereich Datensicherheit, soll Berichten zufolge vom Dell-Konzern übernommen werden. Mehrere Reports, unter anderem von Börsendienst Bloomberg, reden von Angeboten Dells über 33 Dollar pro EMC-Aktie.

Finanziert soll das vor allem über VMWare-Aktien und über Venture Capital. Dell schickt sich an, ein zweites IBM werden zu wollen: Hardware, Software und Dienstleistungslösungen im Gesamtkomzept sind Ziel der Akquisition – beide Unternehmen haben offenbar ähnliche Pläne im Cloud-Business. Dell, einst gestartet als Direktversender, verlässt sich zunehmend auf den Channel – insbesondere im Storage-Bereich, in dem lokale Systemhäuser wichtig sind.

Mit EMC übernähme Dell indirekt VMWare: Der Speicherspezialist besitzt 80 Prozent des EMC-Kapitals. Weiteres Geld für den Kauf soll entstehen, indem Dell seine SecurityTochter Secureworks an die Börse bringt, mutmaßt das Wall Street Journal.

Dem Bericht zufolge könne ein Zusammenschluss zwischen EMC und Dell die Umwandlung von Dell von einem auf Consumer ausgerichteten Unternehmen hin zu einem Anbieter von Technologien für Großkonzerne festigen. Die Restrukturierung treibe Firmengründer Michael Dell seit dem Buyout im Jahr 2013 für rund 25 Milliarden Dollar voran. Unklar sei jedoch die Finanzierung des Geschäfts.

EMCs Marktwert liege derzeit bei rund 50 Milliarden Dollar. Dell wiederum habe laut FactSheet noch mehr als 11,7 Milliarden Dollar Schulden. Möglicherweise beteilige sich der Investor Silver Lake, der Michael Dell auch beim Buyout seines Unternehmens half, an einer Übernahme von EMC.

Der Einstieg von Dell könne zudem ein wichtiges Personalproblem bei EMC lösen, so das WSJ weiter. Bisher sei die Nachfolge von CEO Joe Tucci ungeklärt, der sich Anfang des kommenden Jahres aus der Unternehmensführung zurückziehen wolle.

EMC ist auch Eigentümer des Softwareentwicklers Pivotal und des Sicherheitsanbieters RSA, die jedoch im Rahmen einer sogenannten “Föderationsstruktur” als eigenständige Unternehmen geführt werden. Letztere wurde von Elliot Management, das 2 Prozent der EMC-Anteile hält, laut WSJ mehrfach kritisiert. Ob die Töchterunternehmen auch Gegenstand der Verhandlungen zwischen Dell und EMC sind, ist nicht bekannt.

[mit Material von Stefan Beiersmann, ZDNet.de]

Nachtrag:
Dell und EMC haben soeben ihren Zusammenschluss offiziell angekündigt und werden dazu ein Video des “Investor Call” live veröffentlichen. Die EMC-Tochter VMWare bleibt dabei eine eigenständige an der Börse notierte Firma. Dafür aber liegt der Preis pro Aktien ohne VMWare bei nur 24,05 Dollar.

Manfred schreibt seit 30 Jahren über Computerthemen aus verschiedenen Blickwinkeln. Das wird aber nie langweilig, denn die Branche entwickelt sich so rasant, dass es immer etwas Neues zu lernen gibt.