„Connected Cars“: Eingebaute IT steigert Umsätze in der Autoindustrie

Strategie
Connected Cars (Bild: General Motors)

Die Strategen der Price-Waterhouse-Cooper-Tochter „Strategy&“ meinen, dass digitale Automobilanwendungen trotz bekannter Gefahren bis 2021 zehn Prozent des Neuwagenseumsatzes im Premium-Segment ausmachen. Bei den Connected Cars erwarten sie im kommenden Jahr 40 Milliarden, in drei Jahren 123 Milliarden Euro Umsatzvolumen.

PWC-Ableger „Strategy&“ appelliert an die Autokonzerne, sich schnell auf das digitale Zeitalter einzustellen. Zulieferer und IT-Spezialisten sollen ihren Teil dazu beitragen, denn die vernetzten Autos müssen mit neuester Technik und Sicherheit versorgt werden, sagt die „Connected-Cars“-Studie der Wirtschaftsberater.

Strategy&-Logo (Bild: PWC)

Wie im IT-Business die PCs, Server, Netzwerke und Services würden Autos künftig zunehmend als Gesamtpaket von Dienstleistungen und Einzelteilen verstanden. Mobilität sei dabei ein zentraler Wachstumstreiber der Automobilindustrie.

Schon 2016 wird das Connected-Car-Segment ein Umsatzvolumen von 40 Miliarden Euro umfassen, um sich bis 2021 auf 123 Milliarden Euro zu verdreifachen. Connected-Car-Anwendungen machen dann im Schnitt bereits 10 Prozent aller Neuwagenumsätze im Premiumsegment aus.

„Bereits 2025 liegen die Digitalumsätze im Premiumsegment weltweit bei 3300 Euro pro Haushalt und Jahr.“, orakelt Strategy&. Dieses Umsatzvolumen enthalte die Entgelte für vernetzte Mobilität, , digitale Anwendungen sowie die Internet-Nutzung, die bei einer durchschnittlichen Fahrtdauer von einer Stunde pro Tag in einem autonomen Fahrzeug konsumiert werden.

Doch “um diese Potenziale auszuschöpfen, müssen sich Automobilunternehmen konsequent digital ausrichten und sich von Produkt- zu Softwareunternehmen wandeln“, mahnt das Unternehmen. Das erfordere neben einem neuen Produktverständnis auch neue Innovationsansätze und -prozesse sowie eine andere Unternehmenskultur.

“Automobilunternehmen müssen sich schnell auf das digitale Zeitalter einstellen, damit Autos weiterhin eine wichtige Rolle im digitalen Konsumentenleben einnehmen. Sonst könnte ihnen ein ähnliches Schicksal wie der PC-Industrie drohen – dort verlagern sich intelligente Dienstleistungen zunehmend in die Cloud, Endanwendungen werden immer öfter am Smartphone statt am PC genutzt”, so Alex Koster, Partner und Digitalexperte von Strategy& sowie Co-Autor der aktuellen Studie “Connected C@r 2015″.

Die Studie entstand in Zusammenarbeit mit dem Center of Automotive Management (CAM) in
Bergisch Gladbach. Die Untersuchung befasst sich mit der Gegenwart und Zukunft der vernetzten Mobilität im PKW-Segment. „Das enorme Marktpotenzial und die zahlreichen Schnittstellen mit
mobilen Endgeräten, Software- und Internet-Anwendungen locken verstärkt branchenfremde Digitalplayer wie Apple, Google oder Uber in das Automobilsegment“, erklärt Strategy& den Autobauern die Bedrohung beziehungsweise Chance aus der Digitalwelt.

„Um diese neuen Wettbewerber auf Abstand halten zu können, wird die deutsche Automobilindustrie in den kommenden Jahren knapp 11 Milliarden Euro pro Jahr in die Digitalisierung ihrer Produkte und Dienstleistungen investieren müssen. Die ungewöhnliche Allianz von Audi, BMW und Daimler, um für 2,8 Milliarden Euro Nokias digitalen Kartenanbieter Here gemeinsam zu übernehmen, war da vermutlich nur der Anfang”, kommentiert Dr. Richard Viereckl, Senior Partner und Automobilexperte bei Strategy&.

Den Löwenanteil des Umsatzpotenzials sollen weiterhin Sicherheitsanwendungen generieren. So erwirtschaften sie im kommenden Jahr über alle Hersteller hinweg über 15 Milliarden Euro und damit 37,3 Prozent aller automobilen Digitalumsätze. Dieser Anteil steigt bis 2021 auf 40,2 Prozent. IT-Security-Dienstleister LogRhythm um Beispiel will da auch seinen Anteil haben und lässt sich in Kommentaren über das Sicherheitsproblem der neuen Autos aus, die die Hersteller noch nicht ganz im Griff haben – Marktchancen genug also für Newcomer aus der IT, die mit solchen Problemen besser umgehen können als die traditionellen Stahlkarossen-Erbauer.

Die technologischen Vorstufen des autonomen Fahrens haben schon 2016 ein Marktvolumen von
9,45 Milliarden Euro, beziffert die PWC-Tochter die bereits vorhandenen Umsätze von außerhalb des herkömmlichen Autosegments, bis 2021 würde sich dieses auf 39,62 Milliarden Euro mehr als vervierfachen. Und bereits 2025 würden 20 Prozent der Neuwagen über die betreffenden technischen Fähigkeiten verfügen.

Deutsche OEMs und Zulieferer führen derzeit die Innovationsrankings in diesem Bereich an Doch über Erfolg am Markt würden aber vor allem das IT-Risiko und IT-Sicherheitsgesichtspunkte entscheiden, merkt die Wirtschaftsberatung an. „Je höher die Ansprüche an die Autonomie des Fahrens, umso höher wird die Anzahl der beteiligten IT-Systeme – und damit das Risiko von Fehlern oder Manipulationen“, heißt es.

„Mit den vernetzten Fahrzeugen und den dadurch entstehenden neuen Daten- und Informationsströmen gewinnen die Themen IT-Sicherheit und Datenschutz für die gesamte Automobilbranche enorm an Bedeutung. Allerdings muss es gelingen, gemeinsame Datenschutzstandards zu setzen. Hier sind neben den Herstellern auch die Verbände gefragt, sich auf international gültige Konzepte und Prinzipien zu verständigen”, so Prof. Dr. Stefan Bratzel.

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