Strategie

App soll Paketzustellungsprobleme vermeiden

Boxmesh (Bild: Boxmesh)
0 0 Keine Kommentare

Das Mobilsystem Boxmesh soll helfen, die gute alte Nachbarschaftshife wieder aufleben zu lassen. In Smartpohone der Smartwatch steht dann, wo ein Paket oder Päckchen landete.

Boxcmesh soll dafür sorgen, das Pakete und Päckchen tatsächlich ankommen. Denn all die Mittel der Deutschen Post mit Packstationen oder Abholung bei der nächsten Postniederlassung scheitern, wenn die DHL-Packstation zu weit entfernt ist, der Lieferant ein anderer ist (wie UPS oder Hermes), der Empfänger nicht zuhause und der Nachbar das Paket auch nicht angenomen hat.

Boxmesh am Smartphone (Bild: Boxmesh)
Boxmesh macht den (zuvor selbst gewählten) Nachbarn zur Packstation (Bild: Boxmesh)

Und weil in Deutschland im Zuge des wachsenden Online-Handels jährlich rund eine Milliarde Pakete zu Kunden versendet werden, soll eine App den Nachbarn zur Paketbox machen – was von wem an wen gesendet, geliefert und angenommen wurde, meldet dann das Mobilsystem.

Gut die Hälfte der Pakete gelangt auf deutlichen Umwegen an den Empfäner. Da viele Sendungen oft mehrmals geschickt werden müssen, “verfahren” die Lieferanten rund 300 Millionen Euro im Jahr, rechnet Boxmesh vor. Wenn sie ihre Sendungen gleich beim ersten Mal zustellen könnten, beim Empfänger direkt oder am Arbeitsplatz, an Paketautomaten oder einer zentralen Abholstelle.in der Nähe, könnten sie sich das Geld sparen und so Versandkosten insgesamt billiger machen. Boxmesh beruft sich dabei auf Zahlen der Unternehmensberatung A.T. Kearney in deren Studie zu alternativen Lieferwegen.

(Bild: Boxmesh)
Auch die Smartwatch informiert über wirklich zugestellte Pakete (Bild: Boxmesh)

Boxmesh weiß, dass auch andere an Alternativen arbeiten, etwa die Lieferung in den Kofferraum (ein Projekt von Audi, Amazon und DHL) oder das Prinzip von Paketboxen an der Haustür sowie Paketkästen vor der Tür. “Die Akzeptanz der Kofferraum-Lösung muss ihre Praxistauglichkeit noch unter Beweis stellen. Paketboxen funktionieren bislang immer nur mit einem Dienstleister und die Zustellung ins Büro ist organisatorisch kaum durchführbar sowie vielerorts auch gar nicht erlaubt”, sagt Michael Zölzer, Gründer und Geschäftsführer des Start-ups aus München.

Sein Ansatz der Nachbarschaftshilfe setzt auf das Smartphone und ist seit 8. Juli 2015 im Apple App-Store verfügbar, eine Android-Version soll in Kürze folgen. Das Prinzip von Boxmesh: Der Nutzer registriert sich auf der App mit seiner Adresse und erhält dann auf einer Karte alle ebenfalls registrierten Anwender in der Nähe angezeigt. Per „Handshake“ kann er sich mit ihnen verbinden und vereinbaren, dass er dessen Adresse beim Online-Shop für die nächste(n) Sendung(en) als Lieferanschrift angeben kann.

Darauf aufbauend wird der weitere Zustell- und Abholprozess unterstützt. Als Kernelement bietet die App eine Chatfunktion zur Vernetzung der Nachbarn. Sofort nach ihrer Registrierung können sich die Nutzer per Chat mit ebenfalls angemeldeten Nachbarn über erhaltene Pakete austauschen und die Abholung über die App miteinander abstimmen. So fördert die App über den rein technischen Ansatz hinaus von Anbeginn das Miteinander.

Ob dieses Social Network für die paketbezogene Nachbarschaftshilfe funktioniert, muss sich noch zeigen. Boxmesh meldet, dass andere Nachbarschaftsprojekte wie DoMeAFavour, WirNachbarn oder FragNebenan hierulande schon erfolgreich sind und der in den USA führende Anbieter Nextdoor seinen Markteintritt in Deutschland ankündigt – dem man aber offenbar zuvorkommen will.

Die Boxmesh-App sei insbesondere für größere Mietshäuser geeignet, während Zielgruppe der Paketkasten-Services eher Bewohner von Ein- bis Zweifamilienhäusern seien, schreibt Boxmesh. Die App sei vollständig unabhängig vom Paketdienstleister. Zudem könnte auch lokale Geschäfte wie Shops, Tankstellen und Fitnessstudios anbieten, für ihre Nachbarn Pakete in Empfang zu nehmen. Das erhält Bestandskunden durch zusätzlichen Service und wirbt neue Kunden können über die Laufkundschaft – auch für Händler bietet sich an, am Service teilzunehmen und so indirekt zu Kundenkontakten zu kommen.

Boxmesh ist für die Nutzer kostenlos, eine spätere Premium-Variante wird angedacht. Die Gebühr hierfür soll jedoch, ähnlich wie bei WhatsApp, nicht mehr als einen Euro jährlich betragen. Das Start-up arbeitet derzeit an weiteren Finanzierungsmodellen und führt hierzu Gespräche mit den Paketdiensten wie DHL, Hermes und UPS. „Als zusätzliche Möglichkeit prüfen wir eine Kooperation mit ausgewählten Online-Shops“, erklärt Michael Zölzer. „Bei ihnen können Boxmesh-Kunden einen Rabatt erhalten, wenn sie die Lieferung des Shops über unsere App garantiert beim ersten Versuch für ihre Nachbarn annehmen.“

Finanziert wird Boxmesh derzeit durch Fördergelder der EU über SpeedUP! Europe, einen der größten Start-up-Accelerator in Europa, sowie die Firmengründer. Weitere Möglichkeiten der Fremdfinanzierung werden derzeit eruiert.

Manfred schreibt seit 30 Jahren über Computerthemen aus verschiedenen Blickwinkeln. Das wird aber nie langweilig, denn die Branche entwickelt sich so rasant, dass es immer etwas Neues zu lernen gibt.